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2 Verweile doch, du bist so schön

Vor der Bewegung II – Fotografie

  • Titel erklärt https://herrlarbig.de/2008/10/01/faust-1-verweile-doch-du-bist-so-schoen-v-1700/
  • Ausführliche Erläuterung, Geschichte etc. unter https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_und_Entwicklung_der_Fotografie, wir halten uns an die kurze Fassung https://de.wikipedia.org/wiki/Chronologie_der_Fotografie
  • Wichtiger Durchbruch war die ‚Wiederentdeckung‘ der Linse https://de.wikipedia.org/wiki/Linse_(Optik)
    • Linsen aus Kristall bereits in der Antike bekannt (von Archäologen gefunden), aber unbekannt, wofür verwendet (Sehhilfe oder Brennglas zum Feuermachen)
      • Nimrud-Linse aus Assyrien 7. Jhdt. vuZ (gefundenes Artefakt)
      • Auch ägyptische Wandmalereien aus 8. Jhdt. vuZ (umstritten)
    • 423 vuZ Theaterstück von Aristophanes ‚Die Wolken‘ erwähnt Brenngläser
    • Plinius der Ältere erzählt, das Nero Smaragd für besseres Sehen bei Gladiatorenspielen; Plinius und Seneca beschreiben Vergrößerung von Bildern durch wassergefüllte Glaskugeln
    • Aber antike Philosophie ging davon aus, dass nicht Licht ins Auge fällt, sondern glaubten (nach Empedokles), dass das Auge aktiv die Dinge abtastet  –> verhindert Beschäftigung mit Brechungsoptik (Lichteinfall)
      • Kritisiert von Euklid ‚wie kann das Auge genauso schnell bei den Sternen sein wie bei meiner Hand
      • Entwickelte erste Ideen des Sehens mit gerader Linie von Auge zu Objekt –> antike Malerei entwickelte daraus die 3-dimensionale Perspektive mit Fluchtpunkten, keiner dachte an Linsen
    • Andere Naturphilosophen beschäftigten sich noch mit dem Auge und der Optik, führte aber zu nichts
    • Moderne Optik 9. Jhdt. in Persien: al-Kindi hinterließ im Haus der der Weisheit Schriften, darunter: Licht fällt ins Auge ein –> Alhazen 11. Jhdt. trug in ‚Schatz der Optik‘ alles zusammen
    • 1050 Wikingerschatz auf Gotland mit einer Kette aus Linsen, zt. mit Silber hinterlegt (Spiegel), die Visby-Linsen https://de.wikipedia.org/wiki/Visby-Linsen (möglicherweise Warägergarden des byzantinischen Kaisers?)
    • Übersetzung des ‚Schatzes‘ von Alhazen durch europäische Mönche (Latein) –> Lesesteine zur Vergrößerung von Schrift, oft aus Beryll https://de.wikipedia.org/wiki/Beryll => Brille
    • 13. Jhdt. dann Lesebrillen, 16./17. Jhdt, Mikroskop und Fernrohr
  • Camera obscura https://de.wikipedia.org/wiki/Camera_obscura & Laterna magica https://de.wikipedia.org/wiki/Laterna_magica mit Linsen verbessert => Gedanke, das Bild in der Camera obscura irgendwie festzuhalten, liegt nahe
  • 1717 Johann Heinrich Schulze entdeckt Lichtempfindlichkeit von Silbernitrat https://de.wikipedia.org/wiki/Silbernitrat (bzw. Silbersalze) (Silbernitrat – N = Stickstoff)
    • Ließ Fläschchen mit ‚Scheidewasser‘ = Salpetersäure HNO3 in der Sonne stehen, enthielt noch Spuren von Silber –> wurde schwarz – untersuchte, ob es Wärme (Ofen) oder Licht war
    • Entdeckung brachte frz. Autor Tiphaigne de la Roche auf die Idee Photographie (photos = Licht, graphein = schreiben) zu betreiben (Roman Giphantie)
    • 1770 Carl Wilhelm Scheele Versuche mit Lichtempfindlichkeit des Silberchlorids https://de.wikipedia.org/wiki/Silberchlorid – Silberhalogenide (Halogene gr. Salzerzeuger Fluor, Brom, Iod) werden vom Licht in elementare Halogene (also Fluro, Brom, Iod) und metallisches Silber – Silberchlorid weniger empfindlich als Silberbromid
      • Entdeckte außerdem, dass das geschwärzte Silberchlorid durch Ammoniak NH3 inert wird = erstes Fixiermittel
    • 1814 Humphry Davy entdeckt Silberiodid
    • 1826 Antoine-Jérôme Balard Silberbromid
  • 1799 Thomas Wedgewood https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Wedgwood erste Kontaktkopien von Blättern, die auf Glas, beschichtet mit Silberchlorid, gelegt wurde – aber seitenverkehrt und nicht fixierbar
  • 1822 & 1824 J.N. Niépce erste Heliographien https://de.wikipedia.org/wiki/Heliografie
    • 1824 Zinnplatte mit Asphalt beschichtet – Belichtung 8Std. – Asphalt härtet unter Lichteinwirkung, je mehr Licht, desto härter, je weniger, desto leichter abzuspülen – mit Lavendelöl und Petroleum schwächer belichtete Partien abgespült => Direktpositiv
  • 1835 William Henry Fox Talbot https://de.wikipedia.org/wiki/William_Henry_Fox_Talbot  entwickelt erstes Negativ-Verfahren, mit Silbernitrat & Salzlösung getränktes Papier
  • Parallel –> 1839: Daguerre /Daguerrotypie https://de.wikipedia.org/wiki/Daguerreotypie
    • Versilberte Kupferplatten, poliert, Joddampf (später Brom oder Chlor) -> Lichtempfindlichkeit => musste dann im Dunkeln aufbewahrt werden, bildete sich Silberiodid/-bromid/-chlorid –> Belichtung in Kamera durch Objektiv
    • Jodsilber Belichtung 10-15 Minuten, später mit Brom/Chlor nur noch bis 30sec. – Belichtung reduziert Silberhalogenid zu metallischem Silber
    • Entwicklung mit Quecksilberdämpfen – Quecksilbertropfen lagern sich am Silber an
    • Fixieren mit Meersalz – Thiosulfat oder Zyankali –> Silbersalze lösen sich (nicht mehr lichtempfindlich)
    • Nachteile: Positivverfahren, Unikate, musste luftdicht in Passepartouts gefasst werden, sehr ungesund
  • Talbot: 1835 Kalotypie (auch Talbotypie) typein gr. – Bildwerk https://de.wikipedia.org/wiki/Kalotypie – Schlüsseltechnik weil zum ersten Mal Negativ auf Positiv (Papier mit Wachs tränken => durchsichtig, anderes lichtempfindliches Papier drauflegen, unendlich viele Positive können entwickelt werden)
  •  1842 Argyrotypie/Argentotypie https://de.wikipedia.org/wiki/Argyrotypie   
  • Um 1850 Kallitypie https://de.wikipedia.org/wiki/Kallitypie wie Cyanotypie mit Silber
  • 1851 Kollodium-Nassplatte https://de.wikipedia.org/wiki/Kollodium-Nassplatte
    • Glasplatte, ‚sehr sorgfältig geputzt‘, Lösung von Kollodiumwolle https://de.wikipedia.org/wiki/Kollodiumwolle (= nitrierte Cellulose) und Iod/Bromsalzen in Ethanol –> wird zu Gallert, sofort im Dunkeln in Lösung von Silbernitrat => Iod/Bromsalze werden zu Sillberiodid/bromid
    • Noch feucht in Kassette in Kamera, Belichtung –> in Dunkelkammer mit Eisensulfatlösung übergossen, Silber schlägt nieder (gerne doppelt behandelt)
    • Fixierung mit Natriumthiosulfat
  • 1864 Wothlytypie https://de.wikipedia.org/wiki/Wothlytypie
  • Kollodiumwolle: nitrierte Zellulose, im Grunde einfach nur das, woraus organische Zellen bestehen
  • Basis für Bilder:
    • Albuminpapier https://de.wikipedia.org/wiki/Albuminpapier = mit Eiweiß und Ammoniumchloridlösung behandeltes Papier, mit Silberhalogenid behandelt, auf das die Kollodiumseite gelegt wird –> Lichteinfall durch Negativ auf lichtempfindliche Gelatine – Fixierung, Bild
    • Zelluloid: nitrierte Zellulose, siehe oben – Schießbaumwolle behandelt mit Campherhttps://de.wikipedia.org/wiki/Zelluloidfilm
      • Cellulosetrinitrat = Schießbaumwolle, Cellulosedinirtat = Kollodiumwolle
      • Bis in die 1950er Jahre verwendet für Film
      • Neigt zur Selbstentzündung => Problem für Archive
      • Zerfällt in 5 Stufen mit zunehmender Unappetitlichkeit (wird braun, riecht sauer, wird klebrig, schlägt Blasen, wird zu einheitlicher Masse, schaumig, stinkt und ist ungesund – am Ende ‚stoßempfindliches‘ braunes Pulver => KABOOM)
  • 1877 Eadweard Muybridge Zoopraxiskop, 1887 erste Reihenaufnahmen im trockenen Gelatineverfahren

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leenam.peters@gmail.com

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